27.10.2011

EU | Türkei | Kapikule | Schlachttransporte


Wieder war unsere Tierschutzkoalition, gemeinsam mit unserer Schwesterorganisation AWF Animal Welfare Foundation und EonA Eyes on Animals an der türkischen Grenze Kapikule, um dort Tiertransporte und Abferigungsbedingungen an der Grenze zu beobachten.

Wir kontrollierten in 6 Tagen über 40 Tiertransporte aus Estland, Österreich, Ungarn, Litauen und Bulgarien. Beladen waren die Transporter mit Schafen, Lämmern, Bullen und sogar mit "Milch"kälbern.

Trotz unseren Beschwerden bei den zuständigen Ministerien und Behörden der Mitgliedstaaten, bei der EU Kommission und beim Agrarministerium in Ankara gibt es weiterhin immense Tierschutzprobleme, weil viele Transporte immer noch viel zu eng beladen sind, die Tiere sich nicht hinlegen, manchmal nicht einmal aufrecht stehen können, weil die Tiere unterwegs nicht ausreichend mit Futter und Wasser versorgt werden und weil die Transportdauer einfach zu lang ist. Oftmals haben wir die brüllenden Rinder gehört, bevor der Transporter in Sichtweite kam.
Einige Transportfirmen fahren freiwillig zu "Versorgungsstationen", wo es Wasser und Futter zu kaufen gibt, einige andere konnten wir dazu zwingen.

Bei Problemen mit den türkischen Veterinär- bzw. Zollbestimmungen stehen die Transporter oft tagelang und die Tiere sind mangels Abladestall immer noch dazu verdammt, in den engen Transportern auszuharren. So mussten wir miterleben wie zwei Transporter mit Widdern aus Griechenland über 5 Tage lang in Kapikule warten mussten.

Die Fahrer versorgten die Tiere nicht ausreichend und wir kauften zusätzliches Heu um die hungernden Tiere so gut wie möglich füttern zu können. Aufgrund eines Schneeeinbruches und den niedrigen Temperaturen zitterten die armen Tiere vor Kälte und aus ihren Nüstern lief nach 2 Tagen zäher Schleim. 14 Tiere starben, während wir bei verschiedenen türkischen Behörden darum kämpften, sie in einem Stall entladen zu können. Ohne Erfolg. Auch verletzte, erschöpfte und sterbende Tiere müssen weitertransportiert werden, weil die türkischen Behörden aufgrund ihrer Bestimmungen keine Nottötungen durchführen.

Wiederholt konnten wir allerdings das Interesse türkischer Journalisten gewinnen und hoffen, so auch auf türkischer Seite Verbesserungen zu erreichen. Zumindest wurde nach unserem Einsatz im Juli und entsprechender Medienberichte die Praxis des Wiegens abgestellt. Dabei musste jedes einzelne Rind entladen, einzeln gewogen und wieder verladen werden, ein enormer Stress für die ohnehin erschöpften Tiere.
Nach unseren Film "Without Care" der mit Aufnahmen vom Juli 2011 entstand, werden wir einen neuen Film über die aktuelle Situation veröffentlichen um weiterhin Druck auf die EU-Kommission hinsichtlich eines Exportstopps in die Türkei zu machen.

Einer von über 500 Widdern die tagelang an der Grenze festgehalten wurden

14 Tiere sterben unter elenden Bedingungen

AWF Mitarbeiterin im Interview mit türkischen Journalisten

AWF Mitarbeiterin prüft, ob die Tiere noch durstig sind

Einige Tiere kommen schon sterbend an der Grenze an

EonA Team überprüft Schaftransporter

Erschöpfter, kranker Bulle

Fahrer tränkt durstige Tiere: einige machen es freiwillig, andere mussten wir drängen

Kontrolle eines Tiertransporters

Team versorgt hungrige Widder mit Heu