In der Woche vom 08. bis 11.02. war unsere Projektleiterin Iris in Polen, um das geplante Pilotprojekt mit der Gemeinde Wachock, weiter zu organisieren. Alleine in dieser Gemeinde leben schätzungsweise 2000- 3000 Hunde. Viele von ihnen sind angekettet und werden als billiges Alarmsystem missbraucht, andere haben es besser, sie dürfen nach belieben umherlaufen. Kastriert sind diese Hunde alle nicht, denn das können sich die Menschen nicht leisten. In der Gemeinde Wachock, wie auch in vielen anderen ländlichen Gebieten Polens, ist die Armut extrem groß. Die Welpen werden also getötet oder ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen, denn das einzige Tierheim in der Region hat Aufnahme-Stop.
Mit Unterstützung der Gemeinde Wachock haben wir jetzt ein Konzept entwickelt um Tierbesitzer über eine verantwortungsvolle Hundehaltung aufzuklären und um möglichst viele Hunde zu kastrieren. Im Rahmen der verpflichtenden Tollwutimpfung im April/ Mai wollen wir starten und die Nachfrage scheint groß zu werden.
Die Gemeinde wird mit Hilfe der regionalen Presse über das Projekt informieren und wird auch die Mikrochip-Transponder zur Kennzeichnung und Registrierung der Hunde zur Verfügung stellen. Die Kosten für die Kastrationen werden voll vom TSB-Zürich getragen.
Zurzeit kämpfen wir noch mit regionalen Behörden, die uns die Genehmigung für unsere Mobile Klinik verweigern wollen. Allerdings haben wir bereits Unterstützung durch ein polnisches Mitglied des Europäischen Parlaments, Frau Roza Thun, die sich jetzt für uns und die Mobile Klinik einsetzt.
Unser erweitertes Kastrationsprojekt wird auf jeden Fall starten, auch wenn es vorerst evtl. ohne die Mobile Klinik anlaufen muss. Wir haben zwei polnische Tierärzte, in deren Praxen wir Hunde und Katzen kastrieren und behandeln lassen können, einer der beiden, Dr. Blicharz arbeitet bereits seit einigen Monaten, sehr erfolgreich, mit uns zusammen.
Iris schreibt in einer E-mail:
„Ich hoffe sehr, dass wir weiterhin viele Spenden für die Tiere hier in Polen erhalten. Meine große Sorge ist, dass wir neben den eigentlichen Kastrationen, fast täglich Hunde und Katzen behandeln, für die es um Leben und Tod geht, für deren Behandlung aber niemand zahlen wird, wenn wir es nicht tun. Vor 2 Tagen ein angefahrener Streuner, oder Schicksale, wie das des armen „Braun“, dessen Bein heute amputiert wurde. Braun´s Besitzer hatte ihn Montag zu Nadja gebracht, weil die rechte Pfote, bis auf den Knochen offen und stark entzündet war. Unser Tierarzt musste feststellen, dass sein Bein komplett gefühllos und der Nerv zerstört ist. Ihm drohte eine Blutvergiftung. Wir haben die Amputation für diesen liebenswerten und lebensfrohen Hund durchführen lassen.“
Leider hat der Mann seinen Hund bis heute nicht bei uns abgeholt. Braun ist jetzt in einer unserer Pflegestellen, erfreut sich aber bester Gesundheit und wartet auf ein neues Zuhause.
Aber es gibt auch viele erfreuliche Geschichten zu berichten. Z.B. von der netten Dame, die uns um die Kastration der 2 Streunerinnen „Sunja“ und „Kropka“ bittet, die sie regelmäßig füttert und in ihrer Scheune schlafen lässt. Sie nennt uns noch viele weitere Hundefreunde in dem kleinen Dorf, die besitzerlose Hunde versorgen und dringend unsere Hilfe und Unterstützung benötigen.
Iris berichtet:
„Als wir Sunja zur Kastration abholen wollen, ist sie nicht, wie erwartet vor dem Ladengeschäft. Die Dame kennt allerdings Sunja´s Lieblingsplätze und so finden wir sie wenig später, lässig ausgestreckt, auf einer Wiese, die ersten Sonnenstrahlen des Tages absorbierend. Mit fragendem Blick und verunsichert, lässt sie kurz darauf zu, dass wir sie in die große Hundebox unseres Autos heben. Sie ist eine beeindruckende, große Hündin und sie führt ganz offensichtlich ein sehr selbstbestimmtes und, wie ich glaube, ein ganz gutes Leben. Sie ist eine dieser Persönlichkeiten, die einen zweifeln lassen, ob man das einfach mit ihnen tun darf und genau genommen: man hätte gerne ihre Einwilligung.“
Noch am selben Abend sieht sich unser Team mit einem weiteren Wurf hilfloser „Fund“welpen konfrontiert. Wir können dieses Hundeelend nur durch Vorbeugung, also durch Kastrationen stoppen. Trotzdem müssen wir uns bei jedem einzelnen Tier bewusst sein, welch tiefgreifenden Eingriff wir in seinem Leben vornehmen und welch große Verantwortung damit verbunden ist, nämlich die Verantwortung des möglichst stressfreien Einfangens und Transportes, einer minimal-invasiven Kastrationsmethode, ausreichend langen Erholungsphasen nach der Operation und die unerlässliche Nachkontrolle der Tiere.






