Stallmodernisierung
Unser Team vor Ort dokumentiert seit Jahren immer wieder sehr ähnliche Krankheitsfälle bei Pferden, die auf den Schlachtmarkt Bodzentyn kommen: schlechte Hufe, entzündete Wunden, Geschwüre, Mauke, "Sommerwunde" (Hebranematose), Atemwegserkrankungen, Hautkrankheiten, Würmer und Verletzungen durch Anbindehaltung. Alle diese Krankheiten gehen auf eine schlechte Haltung zurück. Wenn wir die Tiere auf dem Markt finden, dann ist das oft das traurige Ende eines Pferdelebens in dreckigen, dunklen, stinkenden Ställen.
Um dies zu ändern, starten wir ab Mai 2012 das Programm Stallmodernisierungen. Wir bauen gezielt Ställe in verteilt liegenden Dörfern um mit dem Ziel, dass es eine nachbarschaftliche Dynamik auslöst. Denn ab 2013 erhalten die Bauernhöfe EU-Subventionen in Form einer Flächenprämie. Diese Prämie wird gezahlt, wenn die Tierhaltung den EU-Tierhaltungsvorschriften entspricht. Die von uns modernisierten Tierhaltungen bekommen als erstes die Prämie, die bäuerlichen Nachbarn sehen das mit Neid und werden - so unsere Hoffnung - nachziehen.
Finanziert wird die Stallmodernisierung von Ihren Spendengeldern, allerdings müssen die Bauern das investierte Geld in Raten zurück zahlen. Durch unsere Umbaumassnahmen kommt erstmals Licht, Luft und Auslauf zu den Tieren.
FAS | Der Fall Tarik
Vor der Gründung des AWF wurde Hengst Tarik (letztes Jahr, 2010) vom Team der Mobilen Klinik (Anna Lorenzen, Bogdan Markiewicz, Nadja Lorenzen, Iris Baumgärtner, Projektleitung und York Ditfurth, damals alle noch bei Animals' Angels) entdeckt. Über Wochen wurde im Stall nicht gemistet. Die Tür war von innen bis zur Hälfte durch eine dicke, stinkende Mistschicht versperrt.
Gefüttert wurde Tarik von oben, durch ein Loch in der Decke. Tarik konnte nur noch hier seinen Kopf anheben, im Stall stand er mit dem Rücken an der Decke. Wir starteten sofort mit der Befreiung, zumal die Gefahr bestand, dass der Stall zusammenbricht. Tarik wurde in einen anderen Stall gebracht, zum Bruder des Besitzers. Nachdem Animals' Angels das Projekt Polen eingestellt hat und der AWF es übernahm (auch das Einsatzteam wechselte zum AWF), kontrollierten wir Tarik´s Haltung und fanden ihn erneut in dem baufälligen Stall des Besitzers vor.
Wir informierten die Behörden, die Auflagen erteilten, aber nicht bereit waren, das Pferd zu beschlagnahmen. Pferde sind in dieser Gegend häufig noch die Lebensgrundlage der kleinen Bauern, die mit ihnen die Feldarbeit bestreiten.
Heute steht Tarik in einem anderen Stall, zwar noch immer nicht so, wie wir es fordern gegenüber dem Besitzer und den Behörden. Es gibt jedoch einen Hoffnungsschimmer: Der Besitzer baut derzeit (Oktober 2011) einen Auslauf. Wir bleiben dran und lassen Tarik nicht im Stich.
FAS | Der Fall Jacus
Im Juni 2011 hat sich am deutlichsten gezeigt, wie wichtig es ist, durch unseren Huf- und Klauenservice auf die sonst unzugänglichen Höfe zu kommen. Unser Team entdeckt den seit einem Jahr angeketteten Hengst „Jacus“ in einem dunklen Stall. Der Hengst ist so aggressiv, dass wir uns kaum nähern können. Dann entdecken wir die Ursache seines ungewöhnlichen Verhaltens: die Kette hat sich viele Zentimeter tief in seinen Hals eingeschnitten und bei jeder Bewegung muss er wahnsinnige Schmerzen haben. Wir befreien den Hengst von der Kette und erstatten Anzeige wegen Tierquälerei beim zuständigen Veterinäramt. Jacus lebt heute bei unserem Hufschmied Bogdan und genießt sein neu gewonnenes Leben.








