EU-Tiertransporte in die Türkei
Nach jahrelangem Einfuhrverbot hat die Türkei 2010 ihren Markt für Importe von Rindfleisch und Rindern aus der Europäischen Union geöffnet; zunächst nur für Tiere aus den Herkunftsländern Estland, Lettland, Litauen und Ungarn, später auch aus Österreich. Mittlerweile werden auch aus Deutschland Rinder (ausgewiesen zur Zucht) in die Türkei transportiert. Ebenfalls werden in großer Zahl Schafe und Lämmer aus Bulgarien in die Türkei exportiert.
Im Herbst 2010 haben Tiertransportfahrer eine Mitarbeiterin des TSB/AWF über die katastrophalen Bedingungen an der bulgarisch/ türkischen Grenze informiert und eine Woche später war der TSB/ AWF vor Ort um sich ein Bild über die Situation zu verschaffen. Vom 24.-31.Oktober 2010 konnten über hundert Tiertransporte an der Grenze beobachtet werden. Viele Tiere haben bei Eintreffen an der Grenze bereits einige tausend Kilometer Transport hinter sich und noch Strecken bis zu 1.500 km vor sich. Ihr Zustand in den verdreckten Transportern ist häufig erbärmlich und sie leiden unter Durst und Hunger. 2 ungarische Transporter mit Bullen stehen eine Woche lang auf einem Parkplatz an der Grenze (siehe dazu Einsatzbericht und Video vom Montag, 21. Februar 2011)
Immer wieder kommt es zu Problemen, wenn die türkischen Veterinär oder die Zollbehörden Tiertransporte an der Grenze tagelang festhalten. Dies ist der Fall, wenn z.b. die geladenen Tiere nicht mit den türkischen Veterinär- oder den Zollbestimmungen übereinstimmen.
Im April 2011 macht sich erneut ein Team des AWF/ TSB Zürich und Eyes on Animals auf den Weg an die Grenze nach Kapikule, weil dort ein Tiertransporter seit Tagen festgehalten wird. (siehe dazu Einsatzbericht 02. Mai 2011).
Im Juli 2011 sind wir über 7 Tage lang, mit 3 Teams in Kapikule im Einsatz, unterstützt von Eyes on Animals (NL) und Compassion in World Farming (DE). Was wir in diesen Tagen an Tierleid und Tierquälerei sehen, übertrifft das bisher erlebte. Sogar schwer verletzte Tiere werden an der Veterinärstation in Kapikule wieder in die Transporter geladen und weitertransportiert (siehe Video: „Without Care“ und die Einsatzberichte vom 22. Juli 2011).
Auf unsere zahlreichen Beschwerden an die verantwortlichen Behörden der Türkei, der Herkunftsländer und an die EU Kommission erhalten wir anfangs abwiegelnde Antworten. Die Tierschutzprobleme werden heruntergespielt.
Es finden Gespräche mit verschiedenen türkischen Behörden statt, mit unterschiedlichen, aber teilweise positiven Ergebnissen. Die Realität für die Tiere in den Transportern, wird allerdings immer wieder von unserem freien Mitarbeiter in Kapikule dokumentiert und zeigt, dass weiterhin viele Probleme bestehen.
Am 12.Dezember 2011 findet in Brüssel eine Besprechung mit Vertretern der Kommission, Abteilung SANCO und Legal Affairs, des Food an Veterinary Office (FVO), des UECBV und unserer Tierschutzkoalition, vertreten durch Lesley Moffat (EonA), Peter Stevenson (Compassion) und Iris Baumgärtner (AWF/ TSB Zürich) statt, wo Maßnahmen vereinbart werden, um die Situation möglichst schnell zu verbessern. (siehe Einsatzbericht vom 11.01.2012 und 19.01.2012 )
Mit den Ergebnissen unseres Einsatzes vom 17.-24.Oktober 2011 stellt unsere Tierschutzkoalition eine umfassende Dokumentation über die Missachtung der EU Verordnung 1/2005 bei Transporten in die Türkei zusammen und lädt am 11.01.2012 zu einer Pressekonferenz nach Brüssel ein.
Dr. Andrea Gavinelli, Vertreter der Generaldirektion SANCO, verspricht mit Vertretern der Mitgliedstaaten und der Türkei in Verhandlungen zu treten. Einziges Druckmittel der Kommission ist allerdings die Einleitung von Vertragsverletzungsverfahren gegen die Mitgliedstaaten, die unter Missachtung der EU Verordnung 1/2005 Tiere exportieren.
Weitere Informationen zu Tiertransporten in die Türkei, Dokumentationen und Maßnahmen von AWF/ TSB Zürich in den Einsatzkurzberichten vom:
